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Xin Xin Ming Verse über den Geist der Gelassenheit  Jianzhi Sengcan (China 6. Jahrhundert)        Deutsche Übersetzung: Dirk Aleksic  Alle Ziele sind schon erreicht, wenn man mit dem zufrieden ist, was ist. Wenn es weder Liebe noch Hass gibt, ist alles einfach und klar. Aber wenn man den kleinsten Unterschied macht, entsteht eine Trennung wie zwischen Himmel und Erde. Wenn man das eine dem anderen vorzieht, sieht man nicht, was man vor Augen hat. Der Konflikt zwischen Verlangen und Abneigung ist die Krankheit des Geistes. Weil die ursprüngliche Einheit aller Dinge nicht gesehen wird, ist der Frieden des Geistes gestört. Alles ist vollkommen wie der blaue Himmel. Es fehlt an nichts und es ist nichts zu viel. Nur weil wir das eine annehmen und das andere ablehnen, entstehen Probleme. Hänge weder an den Dingen der Welt noch an einer nihilistischen Vorstellung. Nimm alles, wie es ist, dann verschwinden solche Gewohnheiten von selbst. Wenn man versucht Unruhe los zu werden, um Ruhe zu finden, wird dadurch die Unruhe nur umso größer. Solange man die eine oder die andere Seite bevorzugt, sieht man nicht, dass alles eins ist und findet weder mit dem einen noch mit dem anderen Zufriedenheit. Wenn man das Sein erfassen will, entzieht es sich jeder Fassbarkeit. Wenn man Nicht-Sein wahrnimmt, ist es kein Nicht-Sein. Je mehr man redet und denkt, umso größer ist die Verwirrung. Wenn man zum Ursprung zurückkehrt, an dem es noch keine Begriffe und Bedeutungen gab, wird alles durchschaut. Wenn man Objekten und Ideen hinterherläuft, geht die ursprüngliche Freiheit verloren. Auch nur diese Freiheit erfassen zu wollen, vertreibt sie schon. Alle Objekte und Ideen sind Illusionen. Suche daher nicht nach der Wahrheit, sondern gib nur alle Meinungen auf. Bleibe nicht in Sichtweisen gefangen und höre auf, nach etwas zu suchen. Gibt es auch nur die kleinste Spur von richtig oder falsch, ist der Geist in einem Labyrinth verloren. Die Zwei gibt es nur, weil es die Eins gibt, aber auch das Eine sollte man nicht festhalten. Wenn das unterscheidende Denken nicht auftaucht, ist alles unschuldig und fehlerlos und es gibt keine Probleme. Wenn nichts auftaucht, ist da auch kein Geist. Wenn alle Objekte verschwinden, verschwindet auch das Subjekt, das sie wahrnimmt. Was der Geist nicht wahrnimmt, hört auf zu existieren. Objekte existieren nur, wenn ein Subjekt sie wahrnimmt. Wenn man die gegenseitige Abhängigkeit der beiden versteht, sieht man, dass es keine objektive Realität gibt. Subjekt und Objekt sind nicht unterscheidbar, weil alles was wahrgenommen wird, das eigene Bewußtsein ist. Wenn man nicht zwischen gut und schlecht unterscheidet, verfällt man nicht in Einseitigkeit und Vorurteile. Gelassenheit ist nicht schwer, aber Menschen, die ihren kleinen Wünschen nachhängen, sind unzufrieden und voller Ehrgeiz. Je mehr sie wollen, umso weniger geht es. Wenn man an irgendetwas festhält, verfehlt man den Weg. Wenn man loslässt, ist alles so, wie es sein soll – in ständiger unaufhörlicher Veränderung. Alles dem Lauf der Dinge zu überlassen, ist der Weg der Gelassenheit. Vor einem weiten Horizont verschwinden alle Sorgen und Nöte. Es ist die Natur des Denkens, frei zu fließen. In Meditation zu versinken, führt zu nichts und ist vergebliche Mühe. Was nützt es, dem einen hinterherzulaufen und das Andere zu meiden? Gelassenheit bedeutet, auch die Welt der Sinne und Gedanken nicht abzulehnen. Akzeptiere auch die Sinne und Gedanken so wie sie sind. Der Weise versucht nichts zu erreichen. Der Dumme bindet sich selbst. Das Universum kennt keine Diskriminierung, aber wir klammern uns an dieses und jenes. Mit dem Denken das Denken kontrollieren zu wollen, ist allergrößter Unsinn. Aus der Verwirrung des Geistes entstehen Himmel und Hölle. Sich aus der Verwirrung zu befreien, heißt frei von Vorlieben und Abneigungen zu sein. Alle Ideen sind nichts als selbstgemachte Fantasiegebilde. Wie Seifenblasen – Unsinn sie fangen zu wollen. Verlust und Gewinn, richtig und falsch, wirf das alles auf einmal weg. Wenn man immer wach ist, verschwinden alle Träume von selbst. Wenn das unterscheidende Bewusstsein nicht auftaucht, ist alles so, wie es ist. So, wie es ist – das ist das tiefste Mysterium. Es bedeutet, augenblicklich alles zu vergessen. Wenn man alles mit den gleichen Augen sieht, kehrt man zum Sosein zurück. Wenn man nicht urteilt, kann man auch nichts vergleichen. Bewegung kommt zur Ruhe, daher ist es keine absolute Bewegung. Aus Ruhe wird Bewegung, daher ist es nur relative Ruhe. Das Eine beinhaltet schon das andere und beide können nicht getrennt voneinander existieren. Konsequent zu Ende gedacht, kann man nichts definieren. Keine Theorie erfasst die Realität. Wenn man mit allem eins ist, hört alles Tun auf. Unzufriedenheit und Angst verschwinden und totales Vertrauen ist möglich. Augenblicklich ist man vollkommen frei, hängt an nichts und alles geschieht gemäß seiner natürlichen Funktion. Intelligenz, Wissen, Erkenntnisse und Erfahrungen sind dann bedeutungslos. In der Welt des Soseins gibt es weder Selbst noch Anderes. Um direkt in diese Welt einzutreten, sage einfach: „Nicht Zwei“. Wenn es nicht zwei gibt, ist alles gleich und nichts ist ausgeschlossen. Die Weisen aller Zeiten haben das als Ursprung der Dinge erkannt. Der Ursprung der Dinge hat nichts mit Zeit zu tun – ein einzelner Gedanke ist tausend Jahre. Er hat nichts mit nah oder fern zu tun – alles liegt direkt vor unseren Augen. Das winzig Kleine ist groß, wenn es keine Definitionen gibt. Das Riesengroße ist klein, wenn man keine Grenzen sieht. Sein ist Nichtsein; Nichtsein ist Sein. Hör auf, an intellektuellem Verstehen festzuhalten. Das Eine enthält alle Erscheinungen. Alle Erscheinungen sind eins. Wenn man alles lässt, wie es ist, braucht man sich nicht über Unvollkommenheit zu sorgen. Der Geist der Gelassenheit ist nicht dualistisch. „Nicht Zwei“ ist der Geist der Gelassenheit. Alle Worte verfehlen das, was nicht in Raum und Zeit ist.
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